Pädaudiologie

Audiologische Diagnostik

Warum ist es so wichtig zu testen, ob Ihr Kind hört?

Schwerhörigkeiten treten bei 1 bis 2 pro 1.000 Neugeborenen auf. Bei Risikogeburten liegt die Häufigkeit bis zu 15-20 fach höher. In der Regel wird eine Hörbeeinträchtigung erst im 3. Lebensjahr und somit zu spät für eine normale Sprachentwicklung entdeckt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Beginn einer Therapie einer Schwerhörigkeit im ersten Lebensjahr entscheidend ist, um einem hörbeeinträchtigten Kind eine annähernd normale Sprachentwicklung zu ermöglichen. Davon hängt sowohl die soziale und emotionale Reifung als auch die spätere Schul- und Berufskarriere des betroffenen Kindes ab.

Das Hörvermögen aller Neugeborenen wird seit dem 01.01.2009 durch die Messung von otoakustischen Emissionen in der Geburtsklinik in einem sogenannten Siebverfahren erfasst. Bei einem kontrollbedürftigen Testergebnis in der Geburtsklinik empfiehlt sich dringend eine zeitnahe Kontrolluntersuchung bei einer Nachuntersuchungsstelle. Informationen hierzu sollten Sie von Ihrer Geburtsklinik bekommen haben.

Zertifizierte Nachuntersuchungsstelle Stufen 1+2

Es gibt zwei Arten von Nachuntersuchungsstellen: Stufe 1 und Stufen 1+2.

Die Phoniatrisch-Pädaudiologische Praxis Chemnitz ist eine zertifizierte Nachuntersuchungsstelle der Stufen 1+2. Die Teilnahme als Nachuntersuchungsstelle ist mit verbindlichen Qualitätsanforderungen bezüglich des Nachuntersuchungsprozesses und der medizintechnischen Ausstattung verbunden, so dass eine frühzeitige und qualitativ hochwertige Diagnose und Behandlung gesichert ist.

Folgende audiologische Testverfahren kommen zum Einsatz:

  • Ohrmikroskopie
  • Tympanometrie: Messung der Schwingungsfähigkeit des Trommelfells zur Beurteilung der Mittelohrverhältnisse (Beurteilung eines Paukenergusses, Funktionsfähigkeit der Gehörknöchelchenkette)
  • OAE-Untersuchung (OAE – Otoakustische Emissionen): Mit Hilfe von hochempfindlichen Messmikrofonen lässt sich die Antwort des Innenohres auf akustische Reize registrieren; TEOAE, DPOAE (Frequenzspezifität)
  • Hirnstammaudiometrie (BERA – Brainstem Evoked Response Audiometry): Messung von elektrischen Potentialschwankungen, die im Stammhirn entstehen, wenn bestimmte Schallsignale auf das Ohr treffen
  • Notch Noise BERA: Frequenzspezifische BERA mit Hörschwellenschätzung in Frequenzbereichen 500 Hz und 2000/3000 Hz
  • Hörtests für Kinder an einer Kinderaudiometrieanlage: Nach der Funktionsweise des sog. Mainzer Kindertisches, mit Erfassung des Richtungsgehörs (Regiometrie: Halbkreis-Richtungshöranlage mit 6 Raumlautsprechern als Plausibilitätskontrolle der objektiven Audiometrieergebnisse).
  • Ton-, Geräusch- und Sprachaudiometrie: Bei Kindern über Kopfhörer und im freien Schallfeld

Bei auffälligen Befunden werden die folgenden Schritte veranlasst:

  • Einleitung und engmaschige Überwachung einer Hörgeräte-Anpassung einschl. SPL-O-Gram unter Verwendung altersentsprechender RECD-Korrekturwerte als obligate Verifikationsmessung
  • Einleitung einer hörgeschädigtenspezifischen Frühförderung
  • Elternberatung
  • ätiologische Abklärung
  • ggf. interdisziplinäre Diagnostik