Pädaudiologie

Hördiagnostik bei Kindern

Hörstörungen sind vielfältig in ihrem Erscheinungsbild und in ihren Ursachen. Infolge der Hörstörung besteht bei vielen Kindern auch eine Sprachentwicklungsstörung. Wir nehmen uns in der Erstuntersuchung ausreichend Zeit, um eine verlässliche Hörschwelle bei Ihrem Kind zu ermitteln und einen Eindruck von der Sprachentwicklungsproblematik des Kindes zu bekommen. Anschließend besprechen wir alle Untersuchungsergebnisse mit den Eltern und beraten die Eltern zum weiteren Vorgehen.

Zu jedem Hörtest bei Kindern gehört eine Inspektion des Ohres und eine Überprüfung des Mittelohres mit dem Tympanogramm (Prüfung der Schwingungsfähigkeit des Trommelfells).

Alle Hörtestergebnisse, die auf Verhaltensänderungen oder der direkten Mitarbeit von Kindern beruhen, werden durch „automatische“ Testverfahren abgesichert. Zu diesen Testverfahren gehört die Messung otoakustischer Emissionen (OAE-Untersuchung), die Stapediusreflexe oder die Messung von akustisch evozierten Potentialen (z.B. eine BERA).

Hördiagnostik bei Kindern im Alter von 0-3 Jahren

Kinder bis zu einem Entwicklungsalter von 6 Monaten können noch nicht aktiv bei einem Hörtest mitarbeiten. Mit viel Erfahrung kann man auch bei diesen Kindern beobachten, ab welcher Lautstärke sie anfangen, auf Testgeräusche zu reagieren. Ab einem Entwicklungsalter von über 6 Monaten können Kinder bereits lernen, gut erkennbar auch auf leise Geräusche an ihrer Hörschwelle zu reagieren. Ab einem Entwicklungsalter von 24 Monaten können unsere geschulten Audiometristen den Kindern beibringen, wie sie selbständig bei der Hörprüfung mitarbeiten können (siehe Video).

Hördiagnostik bei Kindern im Alter ab 3 Jahren

Ab einem Entwicklungsalter von ca. 3 Jahren ist es möglich, dass Kinder in einem Hörtest Testworte nachsprechen oder anhand von Bildmaterial zeigen (Sprachaudiometrie). Alle derzeit im Bereich der Sprachaudiometrie bei Kindern gebräuchlichen Testverfahren kommen in Abhängigkeit von der Fragestellung und dem Entwicklungsalter des Kindes zum Einsatz (solche speziellen Testverfahren sind z.B.: Mainzer, Göttinger, OLKI, OLKISA, OLSA, Freiburger, AAST, Uttenweiler).

Hördiagnostik bei Mehrfachbehinderung (Down-Syndrom)

Die zusätzlichen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprobleme bei mehrfachbehinderten Kindern (z.B. mit Down-Syndrom) stellen eine besondere Herausforderung für unsere Mitarbeiter dar. Erst die Zusammenschau aller Hörtestergebnisse (einschließlich der Vorbefunde) und der Abgleich mit den Beobachtungen von Hörreaktionen im Alltag durch die Eltern führt zu einer Gesamteinschätzung des Hörvermögens und der Hörschwelle des Kindes. Auf dieser Basis erfolgt dann die Beratung zum weiteren Vorgehen wie z.B. die Anpassung von Hörgeräten oder der Einleitung von Hör-Frühfördermaßnahmen.

Folgende audiologische Testverfahren kommen zum Einsatz:

  • Ohrmikroskopie
  • Tympanometrie: Messung der Schwingungsfähigkeit des Trommelfells zur Beurteilung der Mittelohrverhältnisse (Beurteilung eines Paukenergusses, Funktionsfähigkeit der Gehörknöchelchenkette)
  • OAE-Untersuchung (OAE – otoakustische Emissionen): Mit Hilfe von hochempfindlichen Messmikrofonen lässt sich die Antwort des Innenohres auf akustische Reize registrieren; TEOAE, DPOAE (Frequenzspezifität)
  • Hirnstammaudiometrie (BERA – Brainstem Evoked Response Audiometry): Messung von elektrischen Potentialschwankungen, die im Stammhirn entstehen, wenn bestimmte Schallsignale auf das Ohr treffen
  • Hörtests für Kinder an einer Kinderaudiometrieanlage: Nach der Funktionsweise des sog. Mainzer Kindertisches, mit Erfassung des Richtungsgehörs (Regiometrie: Halbkreis-Richtungshöranlage mit 6 Raumlautsprechern als Plausibilitätskontrolle der objektiven Audiometrieergebnisse).
  • Ton-, Geräusch- und Sprachaudiometrie: Bei Kindern über Kopfhörer und im freien Schallfeld
  • Oldenburger Kinder-Satztest (OLKISA)

Bei auffälligen Befunden:

  • Einleitung und engmaschige Überwachung einer Hörgeräte-Anpassung einschl. SPL-O-Gram unter Verwendung altersentsprechender RECD-Korrekturwerte als obligate Verifikationsmessung
  • Einleitung einer hörgeschädigten-spezifischen Frühförderung
  • Elternberatung
  • ätiologische Abklärung
  • ggf. interdisziplinäre Diagnostik

(Weitere Informationen: Rehabilitation hörgeschädigter Kinder)