Methoden in der Logopädie

Das Castillo Morales® Konzept wurde von dem Rehabilitationsarzt Castillo Morales aus Argentinien entwickelt.

Es umfasst zwei große ineinandergreifende und sich gegenseitig beeinflussende Schwerpunkte:

  • die neuromotorische Entwicklungstherapie (NET) und
  • die orofaciale Regulationstherapie (OFR)

Die Therapie orientiert sich an der normalen sensomotorischen Entwicklung. Behandlungstechniken sind Zug, Druck und Vibration, welche propriozeptive Erfahrungen verdeutlichen. Die visuelle Orientierung im Raum wird dazu haltungstabilisierend genutzt. Die Patienten werden dadurch in die Lage versetzt, ihre Umwelt besser wahrzunehmen, sie werden aufmerksamer und kommunikationsfreudiger.

Das Behandlungskonzept kann eingesetzt werden bei Kindern und Erwachsenen mit

  • genetischen Syndromen und Muskelhypotonie (z.B. Down-Syndrom, Prader Willis Syndrom etc.),
  • mit verlangsamter sensomotorischer Entwicklung,
  • mit orofacialen Störungen (z.B. bei neurologischen Erkrankungen, Facialisparesen, Moebius Syndrom, Pierre Robin Sequenz, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten etc.),
  • zentralmotorischen Störungen und Mehrfachbehinderungen (z.B. bei Zerebralparese oder Z. nach Schädelhirntrauma),
  • neuromuskulären Erkrankungen und nach Schlaganfall.

Ziele der Behandlung sind:

  • Erweiterung nonverbaler und verbaler Kommunikationsmöglichkeiten
  • Aktivierung und Regulierung der orofacialen Funktionen wie Saugen, Kauen und Schlucken, sowie die Kontrolle des Speichelflusses, die Regulation der mimischen Muskulatur und die Verbesserung der Artikulation
  • Förderung der Wahrnehmungsentwicklung im taktilen, tiefensensiblen und vestibulären Bereich sowie Sehen, Hören und Schmecken
  • Verbesserung der Aufrichtungs- und Bewegungsfähigkeiten

KIDS „Kinder dürfen stottern“ ist ein Therapiekonzept zur direkten Therapie von stotternden Kindern.

Die Kinder erleben sich als kompetente und selbstbewusste Sprecher. Die Ansätze zur Stottermodifikation stehen im Mittelpunkt und das Ziel, Begleitsymptome abzubauen, sowie ein lockeres und anstrengungsfreies Stottern zu verwenden, wird vermittelt. Dadurch wird die Remission erleichtert. Zusätzlich lernt das Kind, seine Familie und sein Umfeld einen offenen und einen selbstbewussten Umgang mit dem Stottern kennen.

Taktkin ist ein logopädischer Therapieansatz zur Behandlung sprechmotorischer Störungen wie Sprechapraxien und Dysarthrien.

Der Ansatz basiert auf dem in Amerika entwickelten Prompt-System (Prompts for Restructuring Oral Muscular Phonetic Targets) und wurde von Frau Birner-Janusch für den deutschsprachigen Raum konzipiert. Es werden taktile Hinweisreize als Artikulationshilfen an der Gesichts- und Sprechmuskulatur des Betroffenen gesetzt. Dadurch kann der Patient die Artikulationsstelle, -art und –modus leichter finden. Diese Hilfen werden je nach Störungsausmaß von der Laut- bis zur Satzebene eingesetzt und können in Art, Ausmaß und Häufigkeit den Bedürfnissen des Betroffenen dynamisch angepasst werden.

Es handelt sich um einen ganzheitlichen Therapieansatz von Dr. Barbara Zollinger, der mit Hilfe eines Entwicklungsprofils verschiedene Entwicklungsbereiche, unter anderem die Spielentwicklung, miteinbezieht.

Das Kind wird in seinem Spiel unterstützt, Gegenstände zu erforschen, zu entdecken und mit seiner Umwelt in Beziehung zu treten. Es entdeckt über das Symbolspiel die Funktion der Sprache. Das Kind lernt Vorstellungen aufzubauen, indem es verschiedene Erfahrungen mit den Gegenständen macht. Es muss die Dinge sehen, und greifen können, um sie schließlich zu begreifen und zu verändern. Dies alles passiert im Spiel. Durch sein Handeln kann es die Welt verändern. Indem es an Dinge denkt, die nicht vorhanden sind, braucht es ein System aus Symbolen – die Sprache, um sich mitzuteilen.

Biofeedback  (biologische Rückkopplung) ist eine wissenschaftliche Methode, die es ermöglicht, unbewusste Körperfunktionen  bewusst  zu machen. Biofeedback-Geräte wandeln Biosignale wie Puls, Atmung, Muskelspannung, Hautwiderstand und Hauttemperatur in sichtbare Monitor-Signale um. Auf diese Weise kann der Patient Rückmeldungen darüber erhalten (feedback), welchen Einfluss Geisteszustände wie beispielsweise Erregung, Entspannung oder Aktivität auf diese Funktionen haben. Indem die behandelte Person „Entspannung“ imaginiert und sie realisiert, wird über den Monitor der Erfolg dieser Konzentration sichtbar gemacht: Atmung und Puls sinken, die Hauttemperatur nimmt zu. Konsequentes Training lässt ein Kontrollgefühl entstehen.

Mehr Informationen: Biofeedback

Die Neurofunktionelle Reorganisation (NF!T®) beruht auf der strukturierten Wiederholung der motorischen Entwicklung des Kindes. Diese spielt eine wichtige Rolle bei der natürlichen Hirnreifung. Sie dient als Grundlage für jede höhere Entwicklung, wie z.B. Sprachentwicklung, Wahrnehmungs- und Denkprozesse. Mit Hilfe der Neurofunktionellen Reorganisation können Reifungsprozesse im zentralen Nervensystem beeinflusst werden. Die Übungen sind ganzheitlich, natürlich orientiert und nicht an einzelne spezielle Muskelgruppen gerichtet. Sie werden rhythmisch begleitet in Form von Liedern und Reimen. Ein wichtiger Baustein der NF!T® ist der Verzicht auf verbale Anleitung.

Mehr Informationen: Neurofunktions!therapie nach Rogge (NF!T®)

TOLGS ist ein Therapieansatz mit optimiertem Laut-Gesten-System, bei dem Lautgesten als zentrale Lernmethode eingesetzt werden. Der ganzheitliche Lernansatz verbindet Körperhandlung, Wahrnehmung und Kognition miteinander. Durch das Sichbewegen, Sprechen, Hören, Fühlen und Sehen werden mehrere Sinneskanäle gleichzeitig aktiviert. In der simultanen Kombination können die Kinder das Sprechen leichter erlernen, erinnern und auch produzieren.

Folgende Prinzipien liegen der Therapie der VED nach KoArt zugrunde:

  1. alle Elemente, auch solche die das Kind beherrscht, werden über das
    Bewusstsein so lange eingeschliffen, bis sie automatisiert sind
  2. die optimale und maximal notwendige Hilfestellung wird identifiziert und
    therapeutisch genutzt (multimodal/multisensoriell)
  3. Hilfestellungen werden kleinschrittig abgebaut
  4. konstantes Feedback bezüglich Ausführung und Ergebnis (Transparenz)
  5. direktes und wiederholendes Üben
  6. kleinschrittiges und kriterienorientiertes Vorgehen
  7. langsames Tempo
  8. Qualität vor Quantität
  9. tägliche Therapie bzw. Üben, besonders zu Therapiebeginn

Um die optimale Hilfestellung zu identifizieren, sollte zu Beginn der Therapie der Lerntyp des Kindes durch Beobachtung und Versuchen bestimmt werden.

Die Therapie nach KoArt besteht aus acht aufeinander aufbauenden Stufen. KoArt ist ein treppenförmig aufgebautes Therapieprogramm. Kein therapierelevanter Laut durchläuft das Programm linear, sondern wird auf jeder Stufe in einem erweiterten Kontext zu einem oder mehreren anderen Lauten geübt. Außerdem werden die einzelnen Laute zu versetzten Zeitpunkten in das Programm aufgenommen und auf den einzelnen Stufen mit vorhandenen Lauten kombiniert.

Bei der Stimmbildung kommen Elemente aus Stimmtherapie und Gesangsunterricht zum Einsatz. Ziel ist dabei, die eigene Stimme bewusster wahrzunehmen. Die natürliche Stimmkraft wird gestärkt und eine feste Stimmgebung trainiert. Dadurch kann der musikalische Stimmumfang erweitert werden und das volle Potential der Stimme ausgeschöpft werden.

Die funktionale Stimmbildung kann zum Beispiel eine Stimmausbildung im Rahmen eines Pädagogikstudiums unterstützen. Eine enge Zusammenarbeit erfolgt hier mit dem Zentrum für Lehrerbildung der TU Chemnitz im Rahmen der berufsbegleitenden, wissenschaftlichen Ausbildung für den Seiteneinstieg in das Lehramt an Grundschulen.

Mit Hilfe der Stimmbildung kann die eigene Stimme spielerisch und ohne Druck entdeckt werden. Therapieschwerpunkte können unter anderem die stimmliche Präsenz, Vorbereitung auf Auftritte und Vorträge oder das Abbauen von Lampenfieber sein.