Rehabilitation hörgeschädigter Kinder

Frühkindliche Förderung

Die sensible Phase der Sprachentwicklung, in der das Lernen besonders effektiv verläuft, liegt in den ersten 4 Lebensjahren. In dieser Zeit entwickeln sich die sprachrelevanten Areale des Gehirns am stärksten. Deshalb sind Kinder auf eine entsprechend frühe Förderung angewiesen, um sich sprachlich bestmöglich zu entwickeln. Dies gilt für Kinder mit und ohne Behinderungen gleichermaßen. Für gehörlose Kinder ist diese sensible Phase die beste Zeit, um die Gebärdensprache vollständig zu erlernen. Kindern mit Hörbehinderung, die beispielsweise ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat tragen, sollte eine zweisprachige Sprachförderung angeboten werden, bei der sowohl Laut- als auch Gebärdensprache erlernt werden. Durch das Erlernen der Gebärdensprache in der sensiblen Phase können die Kinder eine intuitive Sprachkompetenz aufbauen, die ihnen das Erlernen der Lautsprache erleichtert. Hinzu kommt, dass es immer wieder Situationen geben wird – beispielsweise bei lauten Hintergrundgeräuschen oder schlechter Akustik – in denen eine Kommunikation mittels Gebärdensprache deutlich einfacher ist.

Komplexleistung Frühförderung

Die Frühförderung unterstützt sowohl Kinder mit einer Hörbehinderung als auch die Eltern und das soziale Umfeld. Interdisziplinär angelegt, bildet sie eine Einheit aus Beratung, heilpädagogischer Förderung sowie therapeutischer Behandlung. Im Rahmen der Frühförderung werden die Kinder in ihrer gesamten Entwicklung unterstützt. Im Vordergrund stehen die Bereiche Sprache, Hören und Kommunikation sowie die sozial-emotionale und die kognitive Entwicklung.

Früherkennung

Es ist empfehlenswert, die Hörfähigkeit von Kindern nach der Geburt regelmäßig untersuchen zu lassen. Dafür gibt es die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen.

Unmittelbar nach der Geburt wird das sogenannte Neugeborenen-Hörscreening durchgeführt. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Im sechsten Lebensmonat (bei der U5) wird das Hörvermögen differenzierter geprüft. Dabei wird getestet, ob das Kind auf neutrale Geräusche reagiert und das Richtungshören funktioniert.

Kurz vor Vollendung des vierten Lebensjahres (U8) finden erneut Höruntersuchungen beim Kinderarzt statt.

Wenn Sie als Eltern das Gefühl haben, dass das Hörvermögen Ihres Kindes beeinträchtigt sein könnte, sollten Sie unbedingt einen Spezialisten für kindliche Hörstörungen – einen Pädaudiologen – aufsuchen. Neben der ärztlichen Betreuung ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Beratungszentren für schwerhörige Menschen, Elterninitiativen und auf Hörbehinderung spezialisierte Frühförderstellen unabdingbar. Eine möglichst vielseitige Förderung betroffener Kindern hilft dabei, sich in der Welt der Hörenden zu orientieren und Potentiale voll auszuschöpfen.

Medizinische Möglichkeiten zum Ausgleich von Hörbeeinträchtigungen

Paukenröhrchen bei Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr
Paukenröhrchen im Mittelohr

Bei Schwerhörigkeit können unter Umständen operative Ein­griffe das Hörvermögen verbessern. Beispielsweise lassen sich Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr (Paukenergüsse) mit einer kleinen Operation beseitigen oder es können versteifte Gehörknöchelchen ersetzt werden.

Technische Möglichkeiten

Auch mit Hörgeräten kann eine Schwerhörigkeit – je nach Ausprägungsgrad – gut ausgeglichen werden. Die Geräte ermöglichen die Wahrnehmung bestimmter Töne, die zuvor nicht gehört wurden. Dadurch können betroffene Kinder auch die gesprochene Sprache wahrnehmen und so Gesprächen besser folgen

Wenn bestimmte Bedingungen vorliegen, können hochgradig schwerhörige Kinder unter Umständen mit einer Hörprothese – dem Cochlea­ Implantat (CI) – versorgt werden.

FM-Anlage: frequenzmodulierte Funksignal-Anlage für Störgeräuschfilterung bei Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten
FM-Anlage

Abgesehen vom Cochlea-Implantat gibt es weitere technische Hilfsmittel, die schwerhörigen Kindern den Alltag erleichtern. Eine Möglichkeit besteht darin, Geräte – die über akustische Reize funktionieren – gegen solche auszutauschen, die visuelle oder tastsensorische Reize nutzen. So können zum Beispiel übliche Türklingeln, Wecker oder Rauchmelder durch Lichtsignalanlagen oder Vibrationsmeldegeräte ersetzt werden.

Frequenzmodulierte Funksignal-Anlagen, sogenannte FM-Anlagen, sind drahtlose Sprachübertragungs- anlagen, die wie eine Kette um den Hals getragen werden. FM-Anlagen filtern die Störgeräusche und übertragen die Stimmen der Kommunikationspartner direkt an das Hörgerät oder das Cochlea-Implantat. Dies kann beispielsweise bei der Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Kind in Vorlesesituationen, beim Radfahren oder zwischen Ihrem Kind und seinen Erziehern und Lehrern im Unterricht eine Hilfe sein.

Herausforderungen des Alltags meistern

Eine Hörbehinderung kann verschiedene Bereiche der kindlichen Entwicklung beeinflussen. Sie kann beispielsweise zu

  • Verzögerung im Lautspracherwerb,
  • Schwierigkeiten beim Lautsprachverständnis,
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten,
  • Schwierigkeiten in der Umweltwahrnehmung und Orientierung oder
  • Veränderungen in Motorik und Verhalten als Reaktion auf die Wahrnehmung der Umwelt führen

Eltern sollten sich deshalb auf veränderte Bedingungen einstellen. Dies können Sie zum Beispiel, indem Sie andere Kommunikationswege als die Lautsprache nutzen. Durch visuelle Unterstützung können Kinder mit Hörbehinderung leichter kommunizieren. Eine Idee, die ganz ohne ein zusätzliches Gerät funktioniert, ist das Kommunikationsbuch. Darin können Sie wichtige Erlebnisse und Erfahrungen Ihres Kindes schriftlich und mit Fotos festhalten und für den gemeinsamen Austausch verwenden.

Profitieren Sie von unseren langjährigen Erfahrungen und unseren Netzwerken!