Vor Praxisbesuch unbedingt anrufen
Nicht dringliche Untersuchungen und Behandlungen werden verschoben

Liebe Patientinnen und Patienten, wir Fachärzte sind selbstverständlich - gerade jetzt - für Sie da! Dennoch werden wir ab sofort planbare Operationen und nicht dringende Untersuchungen (z.B. Vorsorge) verschieben. Wir werden Sie primär telefonisch beraten, um dann im Einzelfall zu entscheiden, ob ein Besuch in der Praxis zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich unbedingt erforderlich ist.
Bitte rufen Sie daher möglichst an, bevor Sie zu uns kommen! Bitte rufen Sie ebenso an, bevor Sie unsere Praxis ohne Aufforderung betreten. Wir alle möchten unserer Verantwortung gerecht werden und unnötige persönliche Kontakte vermeiden, im Interesse aller, und auch Ihrer selbst.
Wenn jetzt alle verantwortungsbewusst, besonnen und klug handeln, wird es uns gelingen, eine unter Umständen sehr schnelle Ansteckung vieler Menschen zu verzögern. Das ist unser derzeit vorrangiges Ziel!
Info der Landesärztekammer Sachsen (PDF 97 KB)

Hilfe bei AVWS

Hilfestellung bei Kindern mit AVWS (Kindergarten, Schule, Eltern):

  • Blickkontakt zu der angesprochenen Person würdigt diese als Kommunikationspartner, das Zuhören fällt leichter (antlitzgerichtetes Sprechen)
  • Zeit nehmen zur Kommunikation.
  • Gegenseitiges Zuhören muss vom Kind gelernt werden (z.B. Rollenspiele).
  • Ein geeignetes Sprech- und Sprachvorbild (deutliche Aussprache und Sprechmelodie) erleichtert das Zuhören.
  • Günstige Raumakustik (Vermeidung schallreflektierter Flächen), besonders wichtig ist die Vermeidung von Neben-/Störgeräuschen.
  • Reduzierungdes Fernsehkonsums auf kindgerechte Sendungen. Das Fernsehen nimmt häufig keine Rücksicht auf die inhaltlichen Aufnahme- und Verarbeitungsmöglichkeiten; auditive und visuelle Informationen werden zu komprimiert und zu schnell dargeboten.

Hilfestellung im Vorschulalter:

  • Gegenstände und Handlungen des Alltags mit Sprache begleiten. Sprechen und gleichzeitig anderen Tätigkeiten nachgehen ist für das Zuhörenlernen ungeeignet.
  • „Corrective Feedback“ Rückkopplung, wenn Laute vertauscht werden (z.B. Maus zu Haus): Dem Kind wird das betreffende Wort noch einmal ohne erzieherische Ermahnung einfach wiederholt.
  • Bewusstmachen der natürlichen Hörumgebung: z.B. Vogelzwitschern o. ä. (z.B. „Naturtag“).
  • Verwendung von Hörspielen.
  • Musikalische Früherziehung (Musikinstrument lernen).
  • Sprache muss im Alltag eine zentrale Rolle einnehmen.
  • Gutes Sprachvorbild der Bezugsperson.
  • Dauerberieselung durch Fernsehen, Radio oder PC vermeiden.
  • Durchaus förderlich ist das Spielen im Sand oder auch Matsch, bei dem mit den Händen gegriffen, geformt und Oberflächen betastet werden (das Wort ergreifen, Worte begreifen).
  • Computergestützte Programme können unterstützend wirken, wie z.B. MIMAMO (Training der phonologischen Bewusstheit), Hase und Igel (Ordnungsschwelle), Detektiv Langohr (Erkennen von Geräuschen), Sieben Sachen (Kurzzeitgedächtnis), Gleich oder Ungleich (Mathematik und visuelle Wahrnehmung).

Hilfestellung im Schulalter:

  • Möglichst kleine Schulklassen bilden.
  • Eine ruhige Unterrichtssituation schaffen.
  • Eine optimale Sitzposition des AVWS-Kindes im Klassenraum (möglichst geringe visuelle und auditive Ablenkung, Möglichkeit der Mundbildkontrolle) finden.
  • Vermeiden langer Einheiten (das Sprechen ohne Punkt und Komma), ggf. Gewähren von kurzen Arbeitspausen und Wiederholungen.
  • Im Unterricht visuelle Arbeitshilfen unterstützend zum auditiven Informationstransfer einsetzen.
  • Sport treiben, denn Sport unterstützt die Regeneration von Gehirnzellen (in Turnhallen mit viel Hall fühlen sich AVWS-Kinder aber ggf. nicht wohl und können dem Trainer nicht folgen).
  • Musik schafft neue Klangbilder und führt zu neuen Verschaltungen im Gehirn, AVWS-Kinder mögen auch ggf. bestimmte Töne besonders gern. Der Besuch einer Musikschule ist anzuraten. (Dabei hören AVWS-Schüler nur anders, womit noch nicht gesagt ist, ob sie besser oder schlechter bestimmte Instrumente erlernen können).
  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen können den Laut- und Schriftspracherwerb beeinträchtigen.
  • Warum ist das genaue Hinhören für das Erlernen von Schreiben und Lesen so wichtig? Beim Lesen- und Schreibenlernen müssen Kinder zunächst lernen, gehörte Wörter in Einzellaute zu zergliedern (z.B. Opa in O-P-A) und diese Einzellaute den richtigen Buchstaben zuzuordnen. Die Buchstaben-Laut-Zuordnung ist umso leichter, je laut-getreuer die Worte sind. Man nennt diese Fähigkeit phonologische Bewusstheit. In der Schule zeigt sich die phonologische Bewusstheit als grundlegende Fähigkeit, vorgesprochene Wörter in ihre Lautbestandteile zu zerlegen.
  • Lesen lernen heißt, in Worte gepackte Informationen zu verarbeiten.
  • Das tägliche ca. 5 Minuten lange Lesen üben hilft auf Dauer enorm (anfangs kann man als Motivationshilfe eine Eieruhr verwenden.

Bei der Hörsituation im Unterricht sollte noch Folgendes beachtet werden:

Bei einem ungünstigen Verhältnis von Nutzschall (Sprache) zu Stör- und Hintergrundgeräuschen kann es zu Abbrüchen in der Sinnerfassung bei komplexen Unterrichtsinhalten kommen.

Dies führt häufig zu Verhaltensauffälligkeiten, die zunächst nicht unmittelbar mit Hörproblemen in Verbindung gesetzt werden. Eine latente Höranstrengung kann vom AVWS betroffenen Schüler nicht beliebig kompensiert werden. Die Kinder reagieren dann mit Desinteresse, störendem Verhalten, Unruhe oder mit Zeichen von Unkonzentriertheit.

AVWS ist eine Teilleistungsstörung und bedingt damit definitionsgemäß keine Einschränkungen der kognitiven Entwicklung. Deshalb sind Lernschwierigkeiten bei einer AVWS nicht über eine Änderung des Lernzieles, sondern über Erleichterungen hinsichtlich der Hörbedingungen in der Schule zu begegnen.

Betroffene Kinder sollten die Stimme des Lehrers klar und deutlich ohne störende Einflüsse hören können. Ungünstige akustische Bedingungen im Klassenraum können von Kindern mit einer guten auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung gut gemeistert werden, von Kindern mit AVWS hingegen meist gar nicht.
Die Stimme des Lehrers erreicht in der Mitte des Klassenzimmers nur noch einen Pegel von rund 60 dB. Die Neben- und Hintergrundgeräusche in normalen Grundschulkassen betragen etwa 60 dB. Die Stimme des Lehrers ist also nur wenig lauter als der Störlärm; in den hinteren Bankreihen sogar leiser.
Schallreflektionen an Wänden und Decken erzeugen Halleffekte, die das Sprachverstehen zusätzlich beeinträchtigen.

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Kinder mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen darauf angewiesen sind, dass die Stimme des Lehrers 20 bis 25 dB lauter ist als die Hintergrundgeräusche. Eine Hörgeräteversorgung ist in manchen Fällen zielführend.