Autismus

Zum Autismus bzw. zu den Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gehören der frühkindliche Autismus, der atypische Autismus, das Asperger-Syndrom sowie das Rett-Syndrom.

Hierbei handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, insbesondere der Wahrnehmungsverarbeitung, der komplexe Störungen des zentralen Nervensystems zugrunde liegen.

Die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Autismus sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von geistiger Behinderung bis hin zu normaler Intelligenz. Einige von ihnen zeigen erstaunliche Teilleistungen im Rechnen, in technischen Disziplinen, in der Musik und auf anderen Gebieten.

Ursachen

Die genaue Ursache für Autismus ist nicht eindeutig geklärt. Als mögliche Ursachen gelten:

  • Genetische / neurologische Faktoren (z.B. Gehirnhautentzündung)
  • Biochemische Faktoren (z.B. erhöhter Serotoninspiegel)

Autismus-Formen

Frühkindlicher Autismus

Der frühkindliche Autismus äußert sich in einer beeinträchtigten und auffälligen Entwicklung vor Vollendung des 2. Lebensjahres.

Diese lässt sich in drei Bereiche unterteilen:

Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation
  • Verzögerung der Sprachentwicklung
  • Stereotype Verwendung von Sprache (eigentümliche Verwendung von Wörtern / Phrasen)
  • Auffallende Stimmqualität und untypische Intonationsmuster
  • Häufig Störungen im Sprachverständnis (rezeptiv) oder in der Sprachproduktion (expressiv)
  • Fehlender Gebrauch kommunikativer Fähigkeiten (z.B. Gestik / Mimik)
Qualitative Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktion
  • Defizite in der sozialen Kommunikation und Interaktion (z.B. mangelnder Blickkontakt / unangemessene emotionale Signale)
  • Defizite im gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus (joint attention)
Eingeschränkte und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten
  • Starre Routinen bei alltäglichen Beschäftigungen
  • Stereotypische motorische Bewegungen

Atypischer Autismus

Der atypische Autismus äußert sich in einer beeinträchtigten und auffälligen Entwicklung nach Vollendung des 2. Lebensjahres.
Er gilt als mildere Variante des frühkindlichen Autismus.
Ein weiteres Abgrenzungsmerkmal zum frühkindlichen Autismus ist die nicht vollends entsprechende Symptomatik.
Der atypische Autismus tritt besonders häufig bei schwer beeinträchtigten Kindern auf, hier ist insbesondere das Sprachverständnis (rezeptiv) gestört.

Rett-Syndrom

Das Rett-Syndrom äußert sich in einer beeinträchtigten und auffälligen Entwicklung aufgrund einer Enzephalopathie zwischen dem 6. Lebensmonat und 4. Lebensjahr.
Auf eine weitgehend unauffällige Entwicklung folgt zunächst ein Stillstand und schließlich der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten (z.B. Laufen, Sprechen, Gebrauch der Hände). Davon betroffen sind fast ausschließlich Mädchen.

Zu den Begleitsymptomen können gehören:

  • Bruxismus (Zähneknirschen)
  • Apraxie (Untätigkeit): Störung der Ausführung zielgerichteter und geordneter Bewegungen bei intakter motorischer Funktion
  • Handstereotypien: Bewegungen ähneln dem Händewaschen
  • Häufig Störungen im Sprachverständnis (rezeptiv) oder in der Sprachproduktion (expressiv)
  • Fehlender Gebrauch kommunikativer Fähigkeiten (z.B. Gestik / Mimik)
  • Scheinbar mangelndes Interesse an Umwelt / Mitmenschen
  • Ataxie (Unkoordination): Störungen der Bewegungskoordination
  • Skoliose: Wirbelsäulen-Verkrümmung
  • Epilepsien / epileptische Anfälle
  • Atemunregelmäßigkeiten

Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom äußert sich in einer qualitativen Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktion). Es gilt als mildere Variante des frühkindlichen Autismus und betrifft in der Regel nur Jungen.

Folgende Symptomatik ist dabei charakterisierend:

  • Keine Verzögerung der Sprachentwicklung
  • Keine kognitive Entwicklungsverzögerung
  • Ungewöhnliche und sehr ausgeprägte Interessen
  • Stereotype Verhaltensmuster
  • Häufig auffällige Kommunikation